Fotograf: Uwe Bellhäuser

KÜNSTLER

Andrea Neumann

www.andrea-neumann.de

Biografie

1969 geboren in Stuttgart
1991 - 1996 Studium der Freien Kunst an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, Saarbrücken
2005 - 2010 Vorstandsmitglied des Saarländischen Künstlerbundes
seit 2008 Lehrauftrag an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, Saarbrücken
seit 2010 Vorstandsmitglied des Saarländischen Künstlerhauses Saarbrücken e. V.

Lebt und arbeitet in Lothringen und Saarbrücken

Auszeichnungen / Ausstellungen / Projekte

Auszeichnungen und Förderungen

2016 Arbeitsaufenthalt Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf
2010 Kulturpreis für Kunst des Regionalverbandes Saarbrücken;
Prix Pierre Werner, Ministère de la Culture Luxembourg, Cercle Artistique de Luxembourg
2005 bilateraler Künstleraustausch Luxembourg-Saarbrücken
2002 Förderpreis der Landeshauptstadt Saarbrücken


Ausstellungen (Auswahl ab 2007, E: Einzelausstellung, K: Katalog)

2016
abkommen, Städtische Galerie Neunkirchen (E, K)
Transposition, E-Werk, Freiburg (K)

2015
Espace mediART, mit Jeannot Bewing, Luxembourg (E)
Adam & Eva – Eva & Adam, Projekt Johanneskirche, Saarbrücken
Heldentaten-Heldenmythen-Heldentod, Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken e. V. (K)
glaubeliebehoffnung, Kulturzentrum am Eurobahnhof, Saarbrücken
33 Jahre Contemporaneum, Oberbillig

2014
Diagonale 45, Pavillon du Centenaire ArcelorMittal, Esch sur Alzette, L (K)
verliebte Künstler, Galerie der Hochschule der Bildenden Künste Saar, Saarbrücken

2013
Seitwärtsgang, Saarländische Galerie, Europäisches Kunstforum e. V., Berlin (E)
einstweilige Anordnung, Hohenloher Kunstverein, Hofratshaus, Langenburg (E)
Galerie du Theatre, mit Bertrand Ney, Esch sur Alzette, L (E)
Perron-Kunstpreis, Kunsthaus Frankenthal
SAAR ART, Museum Haus Ludwig, Saarlouis (K)

2012
einstweilige Anordnung, Galerie Julia Philippi, Heidelberg (E)
sculptures et peintures, Espace mediART, mit Doris Becker, Luxembourg, L (E)
Vice Versa, Mia-Münster-Haus, Stadtmuseum St. Wendel (E, K)
Accrochage # 1, Galerie ohne feste Bleibe, Saarbrücken
ein Fest, Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken (K)

2011
Nachbilder, Contemporaneum, Oberbillig (E)
Who is – Wer ist, Saarländische Galerie, europäisches Kunstforum, Berlin

2010
Partie, Galerie Brötzinger Art, Pforzheim (E)
Salon du Cercle Artistique de Luxembourg, Carré Rotondes, Luxembourg, L (K)
Nebenwege, Städtische Galerie Neunkirchen (K)
step in the arena, Sonderwerkstatt, Saarbrücken (K)
l’homme, un paysage, espace H2O, Oberkorn, Luxembourg (K)
angezettelt, Saarländishes Künstlerhaus, Saarbrücken e. V. (K)

2009
Werktag, Kunstverein Dillingen im Alten Schloss, Dillingen (E)
Zwischenraum, Kunstverein Speyer (E)
Art Venture, Galerie Miejska bwa, Bydgoszcz / Polen (K)
Venetia tre, Kaserne VI, Saarlouis; Saarländische Galerie — Europäisches Kunstforum e.V., Berlin und Kulturzentrum Abtei Neumünster, Luxembourg

2008
flüchtig | éphémère, K4 galerie, Saarbrücken (E, K)
Claim, Galerie Börgmann, Kunstbunker 303, Kevelaer (E)
Snowman’s Land, Galerie der Stadt Wendlingen am Neckar (E)
Landeskunstausstellung, Städtische Galerie Neunkirchen (K)
Visites d’Ateliers — Atelierbesuche, Galerie der Stadt Capellen / Luxemboug (K)
venezia tre, Deutsch-Italienisches Kulturinstitut, Venedig / Italien (K)

2007
noces, Mediathèque, Forbach, F (E)
Dialoge, Galerie Schlichtenmaier, Grafenau
A travers champs, Centre d´Art Contemporain du Luxembourg Belge, Jamoigne / Belgien (K)
Zeitsprünge, 85 Jahre Saarländischer Künstlerbund, Stadtgalerie Saarbrücken (K)
Radius 303, Galerie Börgmann, Peschkenhaus, Moers (K)
Positioning, Künstler der Galerie, K4 galerie, Saarbrücken
Robert Schuman Preis, Museum Simeonstift, Trier (K)


Arbeiten in öffentlichen Sammlungen

Saarlandmuseum, Saarbrücken
Stiftung für Fruchtmalerei und Skulptur, Heidelberg
Landtag des Saarlandes, Saarbrücken
Leibniz-Zentrum für Informatik, Schloss Dagstuhl, Wadern
Saarland Sporttoto GmbH, Saarbrücken
Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum, Trier
Deutsche Bundesbank Hauptverwaltung, Mainz
Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes, Saarbrücken

Künstlerisches Werk

Andrea Neumanns Kunst entfaltet sich in der Andeutung, sie lebt von der Offenheit und vom Nonfinito. Vielfach strömt die Farbe unabhängig von jeder Gegenstandsbezeichnung frei über die Bildgründe. Einzelne Partien bluten an den Rändern aus. Ihre Arbeit besteht ganz wesentlich daraus, das eigene vorgefasste Konzept, die eigenen Intentionen mit dem Eigensinn des Materials auszutarieren. Es ist ein offenes Spiel zwischen Kontrolle und Zufall. Das Geheimnisvolle und Beglückende dabei: gerade weil Neumann den Zufall zulässt, bilden sich wie von selbst gegenständliche Formen, gerade darum sehen wir, was eigentlich gar nicht gemalt ist. Nicht selten, und das macht die Auseinandersetzung mit ihrer Malerei zu einer intellektuell stimulierenden Herausforderung, fließen mit den Farben auch die Formen ineinander und werden zwei- oder vieldeutig. Wie auf einem Vexierbild schlagen Figur und Grund ineinander um, vermeintlich feste Körper lösen sich auf, verwandeln sich. 

Dabei ist einem Missverständnis vorzubeugen: Die Farbe auf Neumanns Bildern mag in stetiger Bewegung sein, sie mag strömen, fließen und flackern. Aber ihre Malerei ist niemals spontan oder gar expressiv. Es ist eine reflektierte, langsame Malerei, deren kühne Abkürzungen auf der Balance zwischen der Akzeptanz von (wie auch immer zufälligen) Wirkungen und Wechselwirkungen des Materials und bewussten und entschiedenen Setzungen beruhen – und auf kühler Abwägung und dauernder, skrupulöser Selbstbefragung. 
Andrea Neumanns Malerei basiert auf Fotografien, sie malt Bilder nach Bildern. Sie reflektiert also mit den spezifischen Mitteln einer traditionellen Kunstgattung die Praktiken und Spielregeln der jüngsten Medien, deren wir uns bedienen – Medien, die, seitdem es das Internet und seine mobile Nutzung gibt, eine wahre Flut von Bildern entfesselt haben. Noch nie in seiner Geschichte ist der Mensch derart, an allen Orten und zu allen Zeiten, von Bildern umstellt gewesen. Zugleich hat wohl noch nie zuvor eine derartige Gleichgültigkeit ihnen gegenüber geherrscht – und eine derartige Unkenntnis darüber, wie Bilder eigentlich zu lesen sind. 

Zu Historienbildern taugen Andrea Neumanns Arbeiten nicht. Sie wollen weniger sein und sind zugleich mehr – weniger, weil sie vollkommen absehen von dem konkreten Moment, dem die Malerei ihr Motiv verdankt; mehr, weil sie ein zufälliges (und auf dem einen oder anderen Weg der Künstlerin zugefallenes) visuelles Dokument zu einem Archetypus verdichten und unserer Imagination die Freiheit geben, den eigenen Vorrat an Erfahrungen und Erinnerungen in ihn hineinzuprojizieren. Wir erkennen in diesen Bildern die Rituale, denen wir vertrauen und mit denen wir uns im Miteinander unter Menschen absichern. Zugleich ist in der Textur der Malerei jene nagende Ungewissheit aufgehoben, die uns niemals Ruhe finden lässt – jener tief sitzende Zweifel, den Georg Büchners Danton auf den Punkt bringt, wenn er desillusioniert sagt: „Einander kennen? Wir müssten uns die Schädeldecken aufbrechen und die Gedanken einander aus den Hirnfasern zerren.“

Andrea Neumanns Bilder muten dem Betrachter einiges zu. Sie sind in hohem Maße unbequem. Malerisch und motivisch offen, wie sie sind, fordern sie beständig die Reflexion heraus, ohne ihr je die Befriedigung zu geben, mit der gestellten Aufgabe fertig zu werden und an einem Ziel anzukommen. Kunst, sagt Andrea Neumann, „liefert keine Antwort.“ Ihre Bilder konfrontieren den Betrachter denn auch mit lauter kaum jemals zu beantwortenden Fragen, etwa: Für was oder gegen wen argumentiert der Redner, der mit energisch erhobener Linker in einem diffusen Raum steht – und worauf stützt der Mann sich eigentlich? Ist der Kameramann noch ein neutraler Beobachter oder schon eine Bedrohung? Hängt der Athlet wirklich souverän an der Turnstange – oder verliert er gerade die Kontrolle und stürzt ab?

Den Bildern Andrea Neumanns gegenüber gleichgültig zu bleiben, ist fast unmöglich. Nicht weil sie den Betrachter mit spektakulären oder schockierenden Szenen herausforderten, sondern im Gegenteil deswegen, weil sie sich so weit in sich selbst zurückziehen, dass man als Betrachter gedanklich tief in sie eindringen muss, um ihrem Geheimnis wenigstens ein Stück weit auf die Spur zu kommen. Man kann sich – abgestumpft vom visuellen Überbietungswettbewerb der Medien – angesichts der Stille dieser Malerei und ihres eklatanten Mangels an Aufmerksamkeit heischenden Effekten entscheiden, ihr weiter keine Beachtung schenken zu wollen. Und ohne Zweifel gehört das ins künstlerische Kalkül von Andrea Neumann. Aber wenn man sich einmal auf ihre Arbeiten eingelassen hat, entfalten sie einen Sog, dem man sich schlechterdings nicht entziehen kann.

Roland Mönig

konjunktiv, Eitempera auf Baumwolle, 180 x 130 cm, 2016memory line, Eitempera auf Baumwolle, 120 x 100 cm, 2016Referenz, Eitempera auf Baumwolle, 180 x 140 cm, 2016invers, Eitempera auf Baumwolle, 100 x 120 cm, 2015Haut, Eitempera auf Baumwolle, 170 x 150 cm, 2014

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