Biografie

Vita
geboren in Bad Oeynhausen, 1963
lebt und arbeitet in Hamburg und Saarbrücken


Studium
1998 Diplom Kommunikationsdesign, HBK Braunschweig
1991 Meisterschülerin von Ben Willikens
1990 Diplom Freie Kunst, mit Auszeichnung, HBK Braunschweig

Lehrtätigkeit
seit 2009 Professorin ›Bildnerische Grundlagen‹, HBK Saar
2004-06 Gastprofessorin ›Künstlerisches Publizieren‹, HFBK HH
2001-04 Künstlerische Assistenz (C1) für künstlerisches Publizieren, HFBK HH

Auszeichnungen / Ausstellungen / Projekte


Vorträge & Präsentationen seit 2005 (Auswahl)
2010 Fotografische Künstlerbücher‹, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
2009 vierundzwanzig Bilder, fünf Publikationen, dreißig MinutenErnst-Moritz-Arndt- Universität Greifswald
2007 materialien, Ringvorlesung, Autorschaft in den Künsten, Züricher Hochschule der Künste
2007 Aus erster Hand, Züricher Hochschule der Künste
2007 Präsentation des materialverlages, Autorschaft in den Künsten,Züricher Hochschule der Künste
2005 ›sechsundsechzig dias und sechseinhalb tische‹, HBK Braunschweig

Workshops seit 2005
seit 2010, jährlich ›Traumstadt‹, Stadtplanungsworkshops, HafenCity Hamburg
2009 Architektursommer Hamburg, ›TraumStadt‹, Hafencity Hamburg
2008 warming up, Zeichnungsworkshop, Fachhochschule Potsdam
2008 Traumstad‹, Stadtplanungsworkshops mit Schülern, HafenCity Hamburg
2006 Schüler (machen) Zeitung(en), Lehrerfortbildungsseminar, Hamburg

Publikationen & Veröffentlichungen seit 2004

2017, Vom Fremden, Saarart11, Auflage 150

2016 tissu tableau, Heft Selbstverlag, Auflage 10
2015 A la maison, Selbstverlag, Auflage 10
2012 Vom Paradies der Damen, The Green Box, Auflage 400
2011/12 Edition_HBK, Hrsg. Publikationsreihe HBK Saar
2008 Auf Wiedervorlag‹, Postkartenedition, Auflage 200
2007 Der materialverlag – Modell eines studentischen Autorenverlages‹, Züricher Jahrbuch der Künste
2006 Übergangsrituale, Selbstverlag
2004 tortuga, revolver verlag, Auflage 500,
30 Vorzugsausgaben in Kiste, mit Original-Fotogramm und Fundstück
als Herausgeberin siehe: materialverlag.de

Künstlerisches Werk

Vom Fremden

Alles Fremde weckte von je her ihre Neugierde. Wurden in der Geografiestunde Dokumentarfilme aus unbekannten Ländern gezeigt, stellte sie sich vor, wie es wohl wäre als Ziegenmädchen in den afghanischen Bergen aufzuwachsen, in einer afrikanischen Dorfgemeinschaft Gewürze zu stampfen, oder im Ganges Wäsche für die Familie zu waschen, statt allein durch die ländlichen Idylle der Vorstadt zu radeln.
Waren Mutter und Vater nach der gemeinsamen Mittagsmahlzeit wieder im elterlichen Geschäft verschwunden, löste sie ihren taillenlangen Zopf und fuhr auf dem Rad mit wehendem Haar zur nahegelegen Romasiedlung. Dort flanierte sie vor den Toren auf und ab, in der kindlich romantischen Vorstellung sie würden sie als eine der ihren erkennen und sie könnte von nun an mit in den Wohnwagen leben.
Auch das Fremde der Exponate in den Weltkulturenmuseen machte sie neugierig. Die Faszination der kunsthandwerklichen Exponate, archaischen Skulpturen und Alltagsgegenstände lösten Fragen bei ihr aus: Wie kommt das alles hier her?  Wie ist ›unser‹ Blick darauf und wie wäre wohl die Betrachtungsweise der Afrikaner, würden sie z.B. die Quadriga des Brandenburger Tors oder den Goldschmuck aus einem keltischen Fürstinnengrab in den Museen ihrer Heimatstädte bewundern können. Wie wäre ihre Sichtweise auf die europäischen Kulturgüter?
Später  war es einfach auf Reisen zu sein, an den Begebenheiten, Sitten und Konventionen der Gastländer als Zuschauer teilzuhaben. Die Leichtigkeit des ›dolce vita‹ in Italien, die fröhlichen Abende in den Tapasbars in Spanien oder Smalltalks in den Coffeeshops in Dänemark und Neuseeland hatte sie auf auf ihren Reisen schnell als etwas angenehm Vertrautes empfunden.
Das wirklich Fremde begegnet ihr zum ersten Mal in Afrika. Durch ihre Heirat wurde sie, jenseits von Zuhause, zum gern gesehenen teilhabenden Gast und beobachtete hier alle Gewohnheiten der Heimat Ihres Mannes. Ihr Blick richtete sich auf die Handhabung des Räuchwerks für den Wohlgeruch, die Anordnungen der Mahlzeiten, die Sitzordnungen im Kreis der Frauen und Kinder – er schweifte in die unmittelbare Umgebung, die Hängung der Bilder und häuslichen Arrangements. Sie wurde von den Frauen angeleitet, wie sich eine angemessene Begrüßung der Ältesten der Familie und im Allgemeinen gehört: ein Knicks, ein Händedruck mit gesenktem Blick. Bei ihrer Schwiegermutter meldete sie sich ab, wollte sie ihren Mann im obersten Stockwerk des labyrinthisch großen Hauses mitten in Dakar besuchen; so wurde es ihr nahegelegt.

Alle diese Bilder und Konventionen eignete sie sich mit großer Neugierde an. Das Fremde hatte Eingang in ihren Alltag gefunden. Das Fremde in der Fremde zu leben hatte sie für kurze Momente erfahren – das Fremde zuhause nicht. Es fing mit so profanen wie auch elementaren Dingen wie Essen an. Schweigend wurden nundie Mahlzeiten geteilt – waren doch die Begegnungen und Gespräche während der Mahlzeiten zuvor die Zeit des Austausches und der Kommunikation gewesen.
Aber wie kann man  ›zweierlei fremd‹ synchronisieren?

tissue tableau I-III, Ausstellungsansicht, St. Wendeltissue tableau I-III, Ausstellungsansicht, St. WendelVorzugsausgaben, Publikation ›Vom Fremden‹Doppelseite aus der Publikation ›Vom Fremden‹Doppelseite aus der Publikation ›Vom Fremden‹

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