Foto: © Thomas Rössler

KÜNSTLER

Dirk Rausch

www.kuenstlerlexikonsaar.de

Biografie

1975 in Baumholder, Rheinland-Pfalz geboren

1995-03 Studium der Malerei bei Prof. Bodo Baumgarten und Prof. Sigurd Rompza an der Hochschule der Bildenden Künste Saar
2003 Diplom mit Auszeichnung. Ernennung zum Meisterschüler von Prof. Sigurd Rompza
1998-2010 Mitarbeiter der Galerie St. Johann, Saarbrücken

seit 2005 künstlerisch-gestalterischer Werkstattleiter am Druckzentrum der HBKsaar (Siebdruck)

seit 2015 Vorsitzender des Saarländischen Künstlerbunds

lebt und arbeitet in Saarbrücken

Auszeichnungen / Ausstellungen / Projekte

Einzelausstellungen

2003 "Arbeiten am offenen Bildformat - Collagen und Aquarelle", Galerie St. Johann, Saarbrücken

2008 "Kunst zu Hause", Sulzbach

2009 "zu zweit", Galerie Grewenig/Nissen, Heidelberg-Handschuhsheim

2010 " Siebdruckunikate" als Gast des Saarländischen Künstlerbundes, Saarländisches Künstlerhaus , Saarbrücken

2011 "Blind Date", Dirk Rausch trifft Edvard Frank, Maler Zang-Haus, Birkenfeld

"Rakel und Faden - Malerei und Objekte von Dirk Rausch und Claudia Vogel", Galerie in der Aula, Sulzbach

2012 "Dirk Rausch/Point de vue Siebdruck", galerieampavillon, Saarbrücken

2013 "Dirk Rausch - gerakelt. Siebdruckunikate und Zeichnungen", KuBa, Saarbrücken

2015 "Dirk Rausch - Einfache Verhältnisse", Sequenz 15/01, Funkhaus Halberg, Saarbrücken

2016 "zwischen siebdruckunikate und aquarelle von dirk rausch", Galerie Wack, Kaiserslautern

"Dirk Rausch_2016: Siebdruckunikate und Aquarelle", Galerie Sehr, Koblenz

Ausstellungsbeteiligungen

1997 "Perspectives du Théâtre", Wirtschaftsministerium, Saarbrücken
1998 "Akt-Zeichnen-Zeichen-Körper", Wirtschaftsministerium, Saarbrücken "Analytisches Zeichnen", Universität des Saarlandes, Saarbrücken

"Zeichnen im Zoo", Volksbank Neunkirchen, Neunkirchen, Saar
1999 "Venezia due", Wirtschaftsministerium des Saarlandes, Saarbrücken

"Bild und Schrift", Galerie Schubert, Neunkirchen, Saar
2000 "Venezia due", Deutsch-Italienische Kulturgesellschaft, Palazzo Albrizzi, Venedig

"Venezia due", Edwin Scharff-Museum, Neu-Ulm

"Esquisses brutes", HBK Saar, Saarbrücken
2001 "Studierende aus dem Atelier Prof. Rompza", Galerie Mike Siebler, Püttlingen
2002 Ausstellung im internationalen Informatikzentrum Schloß Dagstuhl, Wadern
"Studierende aus dem Atelier Prof. Rompza", Püttlinger Schlösschen
2003 "24 Stunden", gemeinsam mit Sabine Blöcher, Großherzog-Friedrich-Str. 63, Saarbrücken

"Multiple Grafik und Objekte", Galerie St. Johann, Saarbrücken

"Dialog", Ausstellung bei MLP, Saarbrücken

"Kunst im öffentlichen Raum", Museum St. Wendel, St. Wendel
2004 "Kunstszene Saar - Im Augenblick", Moderne Galerie Saarland Museum, Saarbrücken
"Farbecht", Malerei aus dem Saarland, Bundesbank Hauptverwaltung, Mainz
"Fabriqué en Sarre", Galerie St. Johann, Saarbrücken
"K lädt ein", Mainzerstr.121, Saarbrücken
"Multiple Grafik und Objekte II", Galerie St. Johann, Saarbrücken
"Aus der Serie (1)", K4 Galerie, Saarbrücken
2005 "Ici l´ombre du castel coucou", Zeche Carreau Wendel, Petite Rosselle, Frankreich
"Kunstkiosk", Atelier Verdet, Saarbrücken
2006 "Tag des offenen Ateliers", Atelier Verdet, Saarbrücken

"Wunderkammer", Galerie St. Johann, Saarbrücken

"Designbazaar", K4 Forum, Saarbrücken

"Designbazaar", Designpost, Köln

2007 "Exemplifizieren wird Kunst", Wilhelm Hack Museum, Ludwigshafen

"Exemplifizieren wird Kunst", Vasarely Museum, Budapest

"Frisch gestrichen – peinture fraîche", Galerie St. Johann, Saarbrücken

"Vogel – Rausch", gemeinsam mit Claudia Vogel, Atelier Verdet, Saarbrücken

"Kunstkiosk", Atelier Verdet, Saarbrücken
2008 "Exemplifizieren wird Kunst", Ludwig Museum, Koblenz

"Venezia tre", Deutsch-Ital. Kulturgesellschaft, Palazzo Albrizzi, Venedig

"Dein Land macht Kunst", Landeskunstausstellung 2008, Saarlandmuseum Saarbrücken

"Petersburg..." Jahresausstellung 2008, Galerie St. Johann, Saarbrücken

2009 "venezia tre", Kaserne VI, Saarlouis, Saarländische Galerie, Berlin, Neumunster, Luxemburg

"20 Jahre HBKsaar-Druckgrafiken aus dem Atelier von Prof. Sigurd Rompza und von Gästen", Galerie St. Johann, Saarbrücken

"special gift: cinq artistes - fünf Künstler, un poète - ein Lyriker, quatre pays - vier Länder, une passion - eine Leidenschaft", espace mediArt, Luxemburg

"Arbeiten auf Papier - konkret", Galerie St. Johann

2010 "Kunst macht Schule 2001-2010", Stadtgalerie Saarbrücken

2011 "Zur Ansicht/For Inspection Dirk Rausch -Malerei, Ramona Hoffmann, Malerei", Kunst im Landtag, Landtag Rheinland-Pfalz, Mainz

Edition "galerieampavillon 2011", Graphik von saarländischen Künstlern, galerieampavillon, Saarbrücken

2012 "Ein Fest. Eine Ausstellung des Saarländischen Künstlerbundes anlässlich seines 90jährigen Bestehens", Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken

2013 "1+1+1 dirk rausch ullrich kerker till neu druckgrafik zeichnung malerei", galerieampavillon, Saarbrücken

"Saar Art 2013", Landeskunstausstellung, Museum Schloss Fellenberg, Merzig

"Bemerkungen über die Stille", Kunstverein Dillingen im Alten Schloss, Dillingen

2014 "istván haász und dirk rausch", Galerie Wack, Kaiserslautern; "Kunst im Salon Saarländische Graphik, Zeichnung, Malerei", galerieampavillon, Saarbrücken

2015 "#glaubeliebehoffnung - Spuren der Transzendenz in der regionalen Gegenwartskunst", KuBa Kulturzentrum am Eurobahnhof, Saarbrücken

2016 "Foyer de l'art concret", Saarbrücken

2017 "Objekt und Graphik", Galerie Wack, Kaiserslautern

Künstlerisches Werk

Die anschauliche Thematisierung der Korrelation von Form und Farbe innerhalb des bildkompositionellen Gefüges ist eines der zentralen künstlerischen Anliegen von Dirk Rausch. Dabei arbeitet er mit zunächst schlicht anmutenden Elementen wie balkenartigen Formationen, die sich in ihrer verschiedenfarbigen Erscheinung so überlagern, dass nuancenreiche Farbdurchdringungen entstehen. Die Positionierung der formalen Aspekte innerhalb des Bildfeldes zeugt von einer ebenso experimentellen wie auch genau durchdachten kompositionellen Intention, bei der Bildfläche und Bildformat ebenso wie der lichte Bildgrund als originärer Bestandteil der gesamten Gestaltung gelten.

Mit seiner künstlerischen Haltung kann Dirk Rausch der Konkreten Kunst zugeordnet werden, die in ihrer 1930 im Gründungsmanifest der Gruppe Art concret definierten programmatischen Orientierung eine Kunstrichtung bezeichnet, die im Wesentlichen auf mathematisch-geometrischen Grundlagen beruht. Die Konkrete Kunst versteht sich nicht als abstrakt, da sie nichts in unserer materiellen Realität Vorhandenes abstrahiert, sondern im Gegenteil Geistiges materialisieren möchte. Die Konkrete Kunst strebt hierbei keinerlei inhaltliche oder symbolische Bedeutung an und grenzt sich in der Moderne von Konstruktivismus und abstrahierenden Tendenzen durch einen wissenschaftlich-analytisch geprägten Ansatz ab, was den innerhalb dieser künstlerischen Orientierung entstehenden Werken bisweilen eine ausgeprägte formale Strenge verleiht.

 

Die Arbeiten von Dirk Rausch hingegen changieren zwischen Disziplinierung der  sehr überlegt eingesetzten Form und bewusster Zufälligkeit im Gestaltungsprozess, so dass, trotz der minimalistischen Tendenz, in der Interaktion von Form, Farbe und Fläche lebendige Bildsituationen entstehen, die der Konkreten Kunst ein erweitertes Handlungsfeld erschließen. 

Im Siebdruck stellt Dirk Rausch Unikate her. Diese „Siebdruckunikate“ tragen einen Widerspruch in sich, da Druckverfahren gemeinhin zur Vervielfältigung einer künstlerischen Arbeit eingesetzt werden. Dirk Rausch erstellt im Druckprozess allerdings nur jeweils ein Blatt als künstlerisches Individuum und nähert sich damit – auch in der Art und Weise, wie das Blatt koloristisch besetzt wird - der Malerei als nicht vollends identisch duplizierbarem Medium an.

Es gibt zunächst das leere Blatt, im Hoch- oder Querformat, die leere Fläche als Aufgabenstellung, als Territorium für den kompositionellen Prozess. Das Format bedingt als Bezugssystem die künstlerische Handlung. Die Gestaltungselemente orientieren sich an den Bildgrenzen, nehmen Bezug auf die Ränder des Blattes, indem sie parallel zu diesen geführt werden oder aber sich als dynamisierende Schrägen in das Bildfeld schieben. 

Mit schlichten Gestaltungsmitteln, mit balkenartigen Formationen, wird dieses Bildfeld definiert, die Fläche in bestimmten Teilungsverhältnissen organisiert. Dabei geht Dirk Rausch durchaus sparsam und konzentriert vor. Es geht nicht darum, die Fläche zwanghaft zu füllen, sondern vielmehr darum, den gestalteten Leerraum, das Weiß des Grundes, als Element der Komposition einzubeziehen. Es gibt also nicht das „Motiv“ und den Hintergrund, sondern es gibt nur die Gesamterscheinung des Blattes.

Verschiedenfarbige Balken überlagern sich dergestalt, dass Farbvariationen auf der Basis einer koloristischen Durchdringung entstehen. Die in horizontaler oder vertikaler Orientierung geführten Farbbahnen strukturieren das Blatt, suggerieren eine geordnete Struktur. Diese erweist sich jedoch weniger als streng-rational ausgerichtete, geometrische Ordnung. Vielmehr erzeugen diagonal, in variierenden  Winkelformationen geführte Bahnen eine in der Labilität des orthogonalen Systems begründete Verlebendigung der Bildsituation.

Dies wird unterstützt durch die Formgestaltung der Farbbalken, die nicht über geradlinige Konturen verfügen, sondern an den Rändern „ausfransen“ oder wellig sind, und hierdurch in besonderer Weise für eine vom Weiß des Grundes in die Farbigkeit hineinwirkende Lichtkonzentration empfindlich werden.

Das Mischverhältnis der Farbe wird in der Überlagerung der jeweiligen Farbsituation, im Vorgang des Druckens hergestellt. Indem keine Farbe vollständig verdeckt wird, sondern immer in Teilen sichtbar bleibt, wird auch der Prozess der künstlerischen Entstehung anschaulich nachvollziehbar.

In diesem Prozess beginnt Dirk Rausch mit einer Farbbahnund sucht Anschlussstellen an diese, Bezugspunkte oder gewissermaßen „Scharniere“. Die Bildkomponenten werden nie ohne Bezugnahme zueinander eingebracht. Auch wenn einmal ein singuläres, unverbundenes Element erscheint, so ist dieses doch z.B. mittels einer Achse oder in Relation zu den Bildgrenzen mit der weiteren Komposition verbunden.

 

In einer neuen Werkserie nutzt Dirk Rausch die spezifischen koloristischen Potenziale des Aquarells und generiert sensible Variationen auf der Basis zarter Farb-Durchdringungsverhältnisse. Die intensivere Farbsättigung vorangegangener Siebdruck-Unikate wird in der schwebenden Transparenz  der Aquarelle graduell relativiert und erfährt mit der Hinterlichtung des weißen Grundes zugleich eine Steigerung der Helligkeitswerte.  

 

Dirk Rausch arbeitet im Prinzip der Serie, gleiche Farbtöne und gleiche Formelemente tauchen innerhalb einer Werkreihe als Variationen immer wieder auf. Experimentell und gleichsam spielerisch wird dabei mit der Gestaltung der Bildfläche verfahren.

Bisweilen wirken die Farbbänder wie Strecken von gefaltetem Transparentpapier, bisweilen bleibt das Gestaltungsareal eng begrenzt, dann wiederum werden Strecken auf dem Bildgrund durchmessen oder Distanzen erzeugt, die gleichermaßen Spannung wie auch Balance generieren.

Hierbei funktionieren die Bilder ebenso als räumlich aufzufassende wie auch als sich in der Fläche vollziehende Kompositionen und verbleiben so hinsichtlich einer abschließend definierbaren Ansichtigkeit in einer gewissen Ambivalenz. Durch die Winkelstellung der Farbbahnen und die variierende Farbigkeit sowie das Distanzverhältnis einzelner Elemente zueinander entstehen tiefenräumliche Anmutungen. Bei stärker flächenbezogenen Komponenten kann der Eindruck einer Betrachtung des Areals aus der Vogelperspektive entstehen.

Die serielle Folge einzelner Blätter lässt hierbei auch die koloristische und farbformale Entwicklung der Bildmotive anschaulich werden.

 

Die sensible Behandlung der Farb-Form-Relation ist in den Arbeiten von Dirk Rausch als elementar und wesentlich anzusehen. Von wunderbar zart-transluzenten, in hellen pastellartigen Tönen gehaltenen Bahnen bis hin zu nahezu opak-deckend erscheinenden Farbformationen reicht die Palette der Möglichkeiten, die auch innerhalb einer Serie eingesetzt werden. In der variationsreichen Durchdringung und Überlagerung der Farbbahnen entstehen mit dem Mischverhältnis der Farben neue formale Entwicklungen, die aus den Grundkomponenten der Bildgestaltung hervorgehen. 

 

In den Arbeiten von Dirk Rausch wird Farb-Form-Komposition als sinnliches Erlebnis in besonderer Weise erfahrbar. Es sind einnehmende Blätter von hoher ästhetischer Qualität, die in ihrer variationsreichen Reduktion eine unspektakuläre Größe entfalten. Mit diesem Ansatz hat Dirk Rausch in den vergangenen Jahren ein hohes Maß an gestalterischer Eigenständigkeit wie auch an prägnanter künstlerischer Qualität entwickelt.

 

Andreas Bayer

ohne Titel, Siebdruckunikat, 98,5 x 68,5 cm, 2015ohne Titel, Siebdruckunikat, 98,5 x 68,5 cm, 2015ohne Titel, Siebdruckunikat, 98,5 x 68,5 cm, 2015

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