Ulrich Behr

KÜNSTLER

Mane Hellenthal

Biografie

1957 geboren in Saarbrücken

1977 – 80 Goldschmiedeschule Pforzheim

1990 – 97 Kunststudium an der Hochschule für Bildende Künste in Saarbrücken, bei Prof. Baumgarten (Malerei) und Prof. Ulrike Rosenbach (Neue Medien)

1999 - 2001 Aufbaustudium „Künstlerisches Gestalten und Therapie“ an der Akademie der Bildenden Künste in München

Auszeichnungen / Ausstellungen / Projekte

Förderungen und Preise

2006 -2007 -Aufenthaltsstipendium für Berlin von der Landesvertretung des Saarlandes beim Bund

2007 -Förderpreis der Stadt Saarbrücken

-Stipendium Künstlerdorf Schöppingen

- Künstlerresidenz Artmix, Luxembourg – Saarbrücken

2008 -Stipendium Künstlerhaus Lukas Ahrenshoop

2012 -Stipendium Kavaliershaus Langenargen

2014 -Stipendium Schloss Bourglinster, Ministère de la Culture, Luxembourg

2015 -Stipendium Schloss Wiepersdorf, Brandenburg

2016 -Résidences-Ateliers Vivegnis International, Lüttich

2015 - „halbe wahrheit“, Saarländischer Rundfunk

2013 - „schattenrasen“, Neuer Kunstverein Trier

- „l’ombre galopant“ Mediatheque Forbach, Frankreich

2012 - „seestück“, Kavalierhaus Langenargen

2011 - „Im Hinterland der Idylle“, Galerie Koenitz, Leipzig

2010 - „basislager“ in der Stadtgalerie Saarbrücken

2008 - „Von Bergen, Menschen, Landschaften, Kreisen und Bauwerken, Saarländischen Galerie, Europäisches Kulturforum in Berlin

Ausstellungsbeteiligungen

2017 -Ausstellung zur Vergabe des Gabriele Münter-Preis, 2017, Akademie der Künste, Berlin, Frauenmuseum Bonn

2016 -Open Spaces, Städtische Galerie Neunkirchen

-Transformationen, E-Werk, Freiburg

- „sanft und schroff“, zusammen mit Susanne Maurer, Kunstverein, Siegburg

Künstlerisches Werk

Als visualisiertes Archiv der Erinnerungen, so könnte man die Arbeit der Künstlerin Mane Hellenthal zusammenfassend beschreiben. Einem konzeptuellen Ansatz folgend, hat sie in den letzten Jahren zahlreiche Werkgruppen geschaffen, in die autobiografische Elemente einfließen. Mane Hellenthal arbeitet vorzugsweise mit Malerei und Zeichnung, aber auch die Fotografie und Raum füllende Installationen gehören zu ihrem Repertoire. Viele ihrer Serien hat sie über Jahre hinweg immer wieder erweitert. Wesentlich für sie ist das Bewahren und Aufarbeiten von Bildmotiven, die einerseits aus ihrer eigenen Erinnerung und andererseits aus einem Reservoir von Fotografien und Dokumenten stammen, das über Jahre und Jahrzehnte gewachsen ist und noch weiter wächst.

Für ihre Arbeit „Schattenrasen 3“ hat sie zum Beispiel auf Holzpulten schwarz-weiße Bilder in ein einheitliches Format gebracht und zu inhaltlich oder formal korrespondierenden Gruppen arrangiert. Neben eigenen Fotos sind es Abbildungen aus Zeitungen, aus dem Internet oder aus Büchern. „Geburtstag“, „Raben“, „kariert“, „Häuser“ oder „unheil“ lauten einige Titel aus diesem sehr individuellen Bildatlas. Neben den öffentlich zugänglichen Bildern spielen für Mane Hellenthal vor allem eigene Erfahrungen, Erlebnisse und Vorlieben eine große Rolle. So gibt es eine Reihe kleinformatiger Gemälde mit ihren persönlichen Helden, wie Jim Morrison oder Patty Smith. Ein immer wiederkehrendes Motiven sind Berge: Sie erinnern Mane Hellenthal an ihre Kindheit. Als sei sie von Heimweh geleitet, flüchtet sie sich gleichsam malerisch dort hin, wie bei der 2006 begonnenen Werkgruppe „Biografische Berge“. In ihr ordnet sie synästhetisch einzelnen Jahren ihrer Vergangenheit eine bestimmte Farbkombination zu – etwa die Farben eines Kleidungsstücks, das ihr besonders viel bedeutete.

Auch in der Serie „Provinzielle Bauwerke“ tauchten Landschaften, oft Berge, als Hintergrundmotiv auf. Sie werden in einen Bildgrund eingearbeitet, der durch eine Marmoriertechnik erzeugt wurde, bei der organische Strukturen entstehen, die an Mikrokosmen oder Luftaufnahmen erinnern. Auf diese Hintergründe setzt Hellenthal Darstellungen von moderner oder zeitgenössischer Architektur, die wie eincollagierte Versatzstücke wirken. So ergeben sich surreal anmutende Kombinationen, die eine Spannung zwischen Zufall und klar definierter Form hervorrufen.

Eine Serie der Jahre 2003-2013 nennt sich „Prägungen“, wobei der Titel im doppelten Sinne zu verstehen ist. Abdrücke eines Bügeleisens oder einer Herdplatte sind auf die Leinwand eingebrannt beziehungsweise eingeprägt. Über dieses technische Moment hinaus geht es auch um eine emotionale Prägung: Der Geruch des Bügelns ist für Mane Hellenthal mit der Erinnerung an ihre Mutter verbunden, die abends, kurz vor dem Zu-Bett-gehen der Kinder, im Wohnzimmer zu bügeln pflegte. Die Künstlerin holt also ein„inneres“ Bild hervor und gibt ihm eine greifbare Gestalt.

Eine besonders starke Motivation für ihre Arbeit, sagt Mane Hellenthal, sei es, „die Bilderflut, die mir begegnet, durch Sammeln, Ordnen und Archivieren zu bändigen – das heißt: in eine ‚lesbare’ Form zu bringen“. Sie wolle „Momente und Gedanken“ festhalten, „bevor sie ins Unbewusste abgleiten“. Ihre Bilder haben manchmal dokumentarischen Charakter, und manchmal wirken sie wie Katalysatoren – sie verwandeln das Erlebte und Gesehene und fügen es ein in ein visualisiertes Archiv der Erinnerungen: ein Archiv, das zugleich persönlich und allgemein gültig ist.

 

Beate Kolodziej

 

Gletscher, Foto: Mane HellenthalBäume, Fotos: Mane HellenthalBrücke, Foto: Mane HellenthalFotobänke, 2014-17enfant chouchou, 2014, Foto Mane Hellenthal

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