Biografie

1999 - 2005 Studium der Freien Kunst an der Hochschule der bildenden Künste Saar bei Prof. Bodo Baumgarten und Prof. Daniel Hausig.

2005 Diplom (mit Auszeichnung) bei Prof. Daniel Hausig im Fachbereich Malerei / Mixed Media

Meisterschülerin von Prof. Daniel Hausig

Auszeichnungen / Ausstellungen / Projekte

2005 Kulturpreis des Stadtverbandes Saarbrückem, 2004

Nominierung zum Kunstpreis Robert Schuman

2008 Förderstipendium der Landeshauptstadt Saarbrücken 2006

2011 Stipendium Künstlerhaus Schloß Wiepersdorf, Brandenburg

2012/13 Artmix 7 Künstleraustausch Saarbrücken/Luxemburg

Mitglied der Künstlerwerkgemeinschaft Kaiserslautern (KWG)

Ausstellungen (Auswahl):

2009 St. Wendel, Stadtmuseum St. Wendel “vis-a-vis “

2010 Saarbrücken, Galerie Besch „…was schaut zurück?“(E)

Würzburg, Kulturspeicher „Les Secteurs“

Kunstverein Worms/Schwetzingen, Animal Art (K)

2011 Grosse Kunstausstellung München „tierisch“ (K)

Kunstverein Trier (E) „Das kleine Monströse“

Kunstverein Norden (E) „Phänomene des Anderen“

2012 Kunstverein Frechen

Kunstverein Wesseling „Wechselbalg“

2013 Kunsthaus Frankenthal, „nahezu menschlich“ (E)

Saarart 2013, 10. Landeskunstausstellung (K)

2014 Galerie Melchior, Kassel "weitermalen" mit Gudrun Emmert und Mathias Weis

Kunstverein Biberach an der Riß "Krähenformung"

2015 Imago Mundi. Luciano Benetton Collection. Mappa dell’arte nuova -

Fondazione Giorgio Cini, Venedig (K)

Museum Schloss Fellenberg, Merzig "Krähenformug" (E)

Saarländisches Künstlerhaus "Helden, Heldentum, Heldentod" (K)

2016Kunstraum Neureuth Karlsruhe/Goethe Institut Frankfurt "Der will nur spielen - Der Hund in der aktuellen Kunst"

Suezzo, Schwetzinger Schloss - Orangerie, Schwetzingen (K)

ihochX, KWG Kaiserslautern auf dem Campus der TU KL und in der VOBA KL

Künstlerisches Werk

"Unklare Verwandtschaften"

Ausschließlich nass in nass entstand die Serie dieser Tuschpinselzeichnungen, gemeinsam von der Künstlerin gelenkt und vom Zufall betreut. Den Prozess ihrer Entstehung bildete ein kurzes Zeitfenster, bestehend aus dem Anfeuchten und, damit verbunden, der Bewegung des Papiers, dem Einbringen der Tusche, dem Organisieren der Helldunkel-Verteilung, dem Eigensinn der wässrigen Tusche, mal hierhin, mal dahin zu verlaufen, beweglich bleibend und dabei intuitiv begleitet vom Pinsel, bis sie endgültig eingesogen wird vom Papier und beim Trocknen unkontrollierbar ausblüht. Dieser eher informelle Werkprozess bleibt je sichtbar und weist eine naturhafte Mannigfaltigkeit
des Formalen auf, die ohne den produktiven Zufall nicht auszudenken, nicht herzustellen wäre. Kosmische Explosionen oder mikroskopische Gerinnungen treten auf,  allerdings ins Gegenständliche integriert, da innerhalb der von der Künstlerin gewahrten Kontur eines en face gegebenen Antlitzes und bei hoher Trennschärfe zwischen Figur und Grund.


Vera Kattlers „Unklare Verwandtschaften“ lassen sich als Konsequenz aus ihren früheren Serien verstehen. Im Mittelpunkt stand dort bisher das Tier als porträthaftes Gegenüber, das dem menschlichen Blick selbstbewusst Paroli bot, das uns sein Anderssein aus nächster Nähe entgegenhielt. Hier nun scheint das Fremde im menschlichen Antlitz auf. Die Erfahrbarkeit als Gegenüber ist mithin gegenüber der eines Tieres weiter intensiviert, als Gesicht und Büste, in prägnanten Schädeln von bisweilen grotesker Verzerrung wird die vertraute Nähe aber gleich wieder entzogen. Von der Gattung Porträt besetzte Grenzen werden überschritten, zum Tier wie zur Pflanze, auch zum Anorganischen, von der überzeichneten Karikatur zu den gueules cassées, den schrecklich verstümmelten Gesichtern der den Ersten Weltkrieg doch überlebenden Soldaten. Der
Blick aus dem Bild, sonst bei Vera Kattlers Werken von höchster Intensität, fehlt hier oft, manchmal sind die Augen geschlossen oder unser Blick fällt in leere Höhlen. Die Grenze zwischen Innen und Außen verschwimmt in Metamorphosen. Assoziationen an die bildgebenden Verfahren der Naturwissenschaften stellen sich ein, an Computertomographie, einen Scan lebenden Gehirngewebes, oder auch an in Formaldehyd schwimmende Präparate. In surrealistischer Tradition wird das gegenständlich Erkennbare im Verlauf des Betrachtens immer fremdartiger, die Oberfläche wandelt sich zum Innenleben, zum Abgrund, noch gesteigert durch die serielle Zusammenstellung. Die Bilder Vera Kattlers zielen auf die Neugier und das Unwohlsein beim nahsichtigen Betrachten des Fremden: Was gibt sich zu erkennen, im Dialog mit dem eigenen Anderen?

Dr. Bernhard Wehlen

Tusche auf Papier, 29,7 x 21 cm, 2015Tusche auf Papier, 29,7 x 21 cm, 201718 x Tusche auf Papier, 29,7 x 21 cm, 2015/169 x Tusche auf Papier, 29,7 x 21 cm, 2015/169 x Tusche auf Papier, 29,7 x 21 cm, 2016

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