volker Lehnert Foto: privat

KÜNSTLER

Volker Lehnert

www.volkerlehnert.de

Biografie

1956 geboren in Saarbrücken. 1976-81 Studium der Bildenden Kunst, Kunstgeschichte und Germanistik an der Kunsthochschule und der Universität Mainz.

1996-2000 Professor für Zeichnung an der Hochschule Niederrhein in Krefeld.

Seit 2000 Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (2007-2017 Prorektor).

Auszeichnungen / Ausstellungen / Projekte

1981 Förderpreis der Internationalen Senefelder-Stiftung für Lithographie

1982 Graphik-Preis der Wilhelm-Dröscher-Stiftung

1988 Ramboux-Preis für Malerei

1991 Mainzer Kunstpreis Eisenturm

2016 Graphik-Preis der Stadt Bietigheim-Bissingen

Seit 1979 über 100 Einzelausstellungen, u.a. Saarland-Museum Saarbrücken/ Städt. Galerie Mainz/ Galerie Barbara KIppenberger, Köln/ Galerie Egbert Baqué, Berlin/

Galerie Schlichtenmaier, Stuttgart/Grafenau / Museum St.Wendel /Kunstverein Reutlingen / KUnstverein Dortmund / Städt. Museum, Lindau / Galerie Johannes Schilling,

Köln / Museum Goch / Kunstverein Krefeld / Galerie Dagmar Rehberg, Mainz / Galerie Huber, München / Städt. Galerie WAiblingen / Verein für Originalradierung, München/

Museum Beckum / Märkisches Muserum Witten / Richard-Haizmann-Museum Niebüll / Galerie Hoch + Partner, Leipzig / Artforum,Offenburg / ARTAX Villa Goecke,

Krefeld / galerieampavillon, Saarbrücken / Kunstverein Kronach / KUnstverein Eislingen/ Galerie im Lehel, München / Galerie Boisserée, Köln / Galerie Zlotos,Frankfurt

Künstlerisches Werk

Volker Lehnert zieht den Betrachter in eine scheinbar vertraute Bildwelt hinein, und zugleich mischt sich ein befremdliches Gefühl angesichts der Darstellung fragmentierter Waldstücke bei. Im kollektiven Bewusstsein gerade der Deutschen ist der Wald emotional besetzt, ja irrational, verbinden sich damit doch noch immer märchenhafte und mystische Züge sowie kindliche Vorstellungen von Wildwestromantik. Die Natur in Lehnerts Bildern besticht zunächst mit einer betont banalen Dinglichkeit – Bäume, Unterholz oder Steine illustrieren das Bild ihrer selbst. Zivilisatorische Momente drängen hinzu – auch das ist beim flüchtigen Anschauen noch nicht irritierend, im Gegenteil: Die Menschen und Bauten verlagern den Blick auf den forstwirtschaftlichen, also eher nüchternen, immerhin nützlichen Aspekt des Tannengehölzes. Der kunsthistorisch und literarisch bewanderte Künstler spielt mit den Klischees einer heilen Welt und überstreicht sie am Ende mit einer heillosen Vision. Denn im selben Moment, in dem wir die Inhalte in ihrer typisierten Präsenz  memorieren, lässt Lehnert uns  in unwägbares Gelände stolpern. Die Sehgewohnheit nötigt uns, einen Zusammenhang herzustellen, der offenbar nicht existiert oder Fragen aufwirft, welche auf dem Bild nicht beantwortet werden: Flora und Fauna wollen nicht recht zusammenpassen. Die vermeintliche, wenn auch tückisch grelle Waldeslust, die sich so wunderbar in eine postromantische Tradition hätte einfügen lassen, weicht einem desillusionierten Bild von einem bedrohten, allzu fragilen Stück Natur, aber auch dem des unbezwingbaren Dschungels. Bewaffnete Männer gebärden sich wie Soldaten, Waldhüter oder Wegelagerer, die ziellos das Gelände erkunden.

Ratlos begegnen die Menschen hier einer Natur, die sie nicht mehr verstehen und einem Tun, dessen Konsequenzen sie nicht mehr überschauen. Die Farben legen sich wie Schleier über die zunächst so klar vorgezeichneten Szenen, die dahinter in Deckung gehen. Auf den zweiten Blick verunklärt sich die Situation noch mehr, als dass sie sich erhellen könnte. Die illustrativen Elemente gleichen vervielfältigten Schablonen. Die Perspektive hebt sich formal auf und macht Stimmungen Platz, die in einer ins Schwanken geratenen Dingwelt zu changieren beginnen wie die lasierend aufgetragenen, starkbunten Farben, die uns einbläuen: Diese Darstellung der Natur ist nicht natürlich, sondern ein Produkt unserer Einbildung. Dessen ungeachtet sucht der Betrachter die Geschichten hinter diesen Darstellungen. Dem leistet Lehnert in seinen erzählerischen Momenten auch Vorschub, nur geht die Bildgeschichte nicht wirklich auf – die Sprechblasen bleiben leer. Es wird deutlich, dass die Bildlogik keineswegs Einsichten in die Wirklichkeit bietet, wie wir es leichtfertig voraussetzen. „Auch die Logik“, schreibt Nietzsche in Menschliches, Allzumenschliches, „beruht auf Voraussetzungen, denen  nichts in der Wirklichen Welt entspricht, zum Beispiel auf der Voraussetzung der Gleichheit von Dingen, der Identität desselben Dinges in verschiedenen Punkten der Zeit“. Der Wald ist mal Hort der Freiheit und des Schutzes, mal Chiffre für eine undurchdringliche Rätselwelt; die Figuren sind mal Comic-Cowboys, mal Vertreter einer aggressiven Macht; die Holzbaracken und Zeltbauten ähneln Schutzbehausungen und Arrestzellen. In einem Prosagedicht fragte sich Max Ernst: „Was ist ein Wald?/ Gemischte Gefühle…:/Entzücken und Bedrückung und das, was die Romantiker/ Naturgefühl getauft haben./ Die wunderbare Lust, frei zu atmen im offenen Raum, / doch gleichzeitig die Beklemmung, ringsum von feindlichen Bäumen / eingekerkert zu sein./ Draußen und drinnen zugleich./ Frei und gefangen,/ wer soll das Rätsel lösen?/ Die Wälder fressen den Horizont./ Sie bemächtigen sich der Sonne, von der oft nur ein seiner Strahlen / beraubter Ring übrigbleibt.“

Dr. Günther Baumann (aus: Text im Flyer zur Ausstellung „Ein wenig Argwohn in Waldstücken“,Galerie Schlichtenmaier Stuttgart/Grafenau, 2014)

Ein Berseker Bleistift, Farbstifte,Ölfarbe 70 x 100 cm 2016 Foto: Nadine BrachtPhatom Bleistift, Farbstifte, Ölfarbe 70 x 100 cm 2016 Foto: Nadine BrachtHier und nicht anders Eitempera/Lwd. 150 x 120 cm 2010 Sammlung Kleinsimlinghaus,DüsseldorfAusflug ins Gebirge Eitempera/Lwd 150 x 120 cm 2010Die Hütte Aquarell 30 x 40 cm 2011

Wir danken unseren Unterstützern